Agiles Theater – „Wir reorganisieren uns jetzt mal!“

Agiles Theater – „Wir reorganisieren uns jetzt mal!“

Manager führen sich auf wie Katzen im Katzenklo. Sie werfen instinktiv alles durcheinander, um zu verbergen, was sie angestellt haben. In der Geschäftswelt nennt man das „reorganisieren“. Der normale Manager reorganisiert, solange er zu essen bekommt.“

Scott Adams, Zeichner von „Dilbert“

Reorganisation um jeden Preis?

Eins hat sich in den letzten Jahrzehnten bei aller Innovation von Arbeitsmodellen nicht geändert: wenn es Probleme gibt, werden die Karten neu gemischt. Die möglichen Schwierigkeiten, denen Unternehmen mit einer Reorganisation begegnen wollen, sind dabei vielfältig.

Es kann sich um schlechtes Management ebenso handeln wie um miese Unternehmenskultur, fehlende Fokussierung oder einbrechende Umsätze … in nicht wenigen Fällen kommen mehrere Probleme zusammen, denn sie bedingen sich ja. Lässt eine Organisation die Zügel allzu lange schleifen, ist tatsächlich oft nur eine komplette Restrukturierung die Rettung.

Selbstkritik als erster Schritt zur Einsicht

Diagnostiziert ein Unternehmen allerdings seine Probleme im Frühstadium, ist es zunächst ratsam, „innere Einkehr“ zu halten. Bevor wilder Aktionismus auf allen Betriebsebenen ausbricht, sollten wichtige Fragen gestellt werden. So etwa: Was ist die Kernkompetenz unserer Organisation? Wo stehen wir im Markt? Wo wollen wir in fünf oder zehn Jahren stehen? Haben wir das Rüstzeug, unseren Platz zu behaupten und möglicherweise zu verbessern? Und wenn nicht – was fehlt uns?

Erst wenn diese letzte Frage gestellt und auch beantwortet wird, kann die Form der nötigen Reorganisation festgelegt werden.

Agilität als Hype

Leider gehen die Verantwortlichen in manchen Unternehmen nicht den mühsamen (und bisweilen selbstkritischen) Weg der diagnostischen Fragestellung. Statt dessen springt man auf den Karren des Hype und beschließt, das jetzt eben eine agile Organisationsform wie SAFe oder noch extremer Holacracy die rettende Idee ist. Und das wird dann auch sofort und mit Volldampf umgesetzt.

Grundsätzlich sind agile Organisationsformen nun überhaupt nicht schlecht – ganz im Gegenteil. Es hilft aber nichts, einfach eine neue Arbeitsweise zu „verschreiben“. Zunächst sorgt dieses Verhalten zwar für überaus beeindruckende Geschäftigkeit, aber es ist eine Geschäftigkeit, die sich um sich selbst dreht. Konzepte und Projekte müssen entworfen, Mitarbeiter geschult, überzeugt oder auch einfach unter Druck gesetzt werden. Volldampf voraus in allen Abteilungen.

Nur: ob sich aus der verordneten Reorganisation eine Verbesserung der Unternehmenskultur, des Selbstverständnisses und des Umsatzes entwickelt, ist zweifelhaft.

Wie Reorganisation gelingen kann

Der große Vorteil agiler Methoden ist ja gerade, dass sie die Selbsteinschätzung und Selbstorganisation erleichtern (sollen). Agilität findet deshalb naturgemäß zunächst in den Köpfen statt, in der Bereitschaft, sich selbst, das Team, die Abteilung, das Firmenkonzept zu hinterfragen und auf mögliche Optimierungen abzuklopfen. Wo diese Bereitschaft nicht vorhanden ist, muss zunächst der oben angesprochene Fragenkomplex abgearbeitet werden.

Ansonsten nützt die schönste holokratische Verfassung nichts!