Agiles Entscheiden – flexibel in die Zukunft

Agile Entscheidungskultur. Weniger Kontrolle. Mehr Revision.

Warum Agiles Entscheiden? Weil sich die Anforderungen des Marktes ändern! Die herkömmliche Entscheidungskultur im Unternehmen ist hinlänglich bekannt. Den Mitarbeitern kommt es zu, Informationen zusammenzutragen. Sofern sie hoch genug stehen in der Hierarchie, dürfen sie auch eine Meinung dazu haben. Ganz weit oben darf dann auch schon mal ein Rat gegeben werden. Aber entschieden wird vom Chef.

Die Zeiten ändern sich

Dass die beschriebene klassische Entscheidungsfindung den Anforderungen, die eine dynamische Wettbewerbsumgebung an das Unternehmen stellt, nicht standhält – das liegt auf der Hand.

Ein wesentlicher Nachteil ist der Zeitaufwand. Erstmal muss ja Information her. Viel Information. „Umfassend“ ist das Schlüsselwort. Und wie umfassend kann man in den Zeiten von Big Data eigentlich informiert sein? Ein zweiter Punkt ist das „Festlegen“ von Strategien basierend auf Informationen, die man – mitunter wochenlang – so akribisch eingeholt hat. Beim Festlegen geht dann auch gleich um etwas anderes, nämlich die Verantwortung…die muss ja auch geklärt werden. Wer ist oder war für welchen Schritt verantwortlich? Bevor das nicht umfassend klargestellt ist, werden die entscheidungsrelevanten Fakten und strategischen Vorschläge gar nicht erst beim Chef auf den Tisch gelegt. Verantwortung für Teilbereiche oder Teilentscheidungen zu übernehmen, erweist sich oft als zähes Ringen. Gerade wo Teamleiter oder Abteilungsleiter selbst von den Auswirkungen betroffen sind, schieben sie die Entscheidung gern auf die nächsthöhere Ebene.

Alleinentscheider sind sehr allein

Einmal mit allen wesentlichen Eingaben versehen, muss der Entscheider nun entscheiden. Die wenigsten tun das aber umgehend. Erstmal werden die Informationen gegengelesen, geprüft, ein paar Meetings abgehalten („Ist das wirklich alles aktuell?“). Darüber können gern Monate ins Land gehen. Irgendwann wird vermutlich eine Entscheidung fallen, aber ist sie noch den Marktbedingungen angemessen? Nun ja, wenn es schief geht – die Verantwortlichkeiten immerhin sind klar!

Agilität für eine dynamische Entscheidungsfindung

Agilität ist hier mehr als eine mögliche Lösung. In naher Zukunft wird sie ein Entscheidungsmodell sein, an dem keine Unternehmen vorbeikommt. Wer mit rasant fortschreitenden Trends mithalten will, kann sich keinen Zeitverlust in der Entscheidungsfindung leisten. Noch weniger die fast zwangsläufig auftretenden Fehler, die bei dieser starren, hierarchischen Führungskultur fast unausweichlich auftreten. Revisionen und rasche Kurskorrekturen, die den Marktentwicklungen angepasst werden, sind nicht möglich, denn Entscheidungen sind ja quasi in Stein gehauen.

Agiles Entscheiden braucht mehr Delegation

Wird im Unternehmen mehr und zielstrebig delegiert, fällt auch die Strukturierung von Entscheidungen ganz klar leichter. Agiles Entscheiden mag ein neuer Begriff sein, ergibt sich aber ganz zwangsläufig. Spätestens wenn im Unternehmen mit Scrum oder Kanban bzw. ähnlichen Strategien gearbeitet wird, stellt sich hier Agilität ein. Alle Abläufe werden dabei zwangsläufig in kürzere Phasen unterteilt, in denen das Team hochaktiv ist und seine Ergebnisse und Entscheidungen unter Einbeziehung aller Mitwirkenden erreicht. Die Resultate werden dabei zwischen den Sprints regelmäßig gecheckt. So kommt es immer wieder zu einer Revision der bereits getroffenen Entscheidungen. Gegebenenfalls sind Anpassungen möglich. Die Führungsrolle ist dabei eher die des Moderators. Arbeitsfehler und Fehlentscheidungen werden bei dieser dynamischen Arbeitsweise im Rahmen einer Fehlerkultur analysiert, bei der es nicht um Schuldzuweisung geht. Vielmehr stehen Ursachenermittlung und künftige Optimierung im Mittelpunkt. Darüber hinaus erlaubt der Plan-Do-Check-Act Zyklus dieser Arbeitsweise im Laufe der Zeit das Erkennen von Mustern bei Verhaltensweisen, Arbeitsmethoden und Entscheidungsverfahren, sowohl für einzelne als auch für das Team oder ganze Abteilungen.

Wer sich mit dem ersten Schritt in die agile Entscheidungsfindung schwer tut, kann hier Tools wie das Delegations-Poker zu Hilfe nehmen.

Einen Abriss der möglichen Umsetzung agiler Entscheidungsfindung bietet der hochinteressante Vortrag von Ilja Preuß

Sicherlich wird nicht überall und in jeder Situation eine komplette Umsetzung agiler Organisationskultur möglich oder auch wünschenswert sein. Vielfach wird es vermutlich zu Hybridlösungen kommen, unternehmenstypische Mischungen von klassischer und agiler Arbeitweise. Diejenigen Bereiche, in denen schnell, kompetent und „lean“ wettbewerbswichtige Entscheidungen getroffen werden, sollten den Übergang in die Agilität allerdings so schnell wie möglich vollziehen!