Agiles Theater Teil 4 – Agilität als Rosinenpicken bei der Aufgabenverteilung

 

Jetzt mal andersrum!

 

 

 

Oder: Wie Agilität NICHT aussehen sollte.

Das beste Mittel gegen Stress ist unsere Fähigkeit, einen Gedanken einem anderen vorzuziehen.“

 

 

William James

Was Agile Methoden im Unternehmen leisten können und sollen, darüber sind inzwischen ja schon ganze Bände geschrieben worden. Aber zwischen dem, was gesagt wird, und dem, was unter Agilität verstanden wird, liegen offenbar immer noch Welten.

Dementsprechend wird der Trend „Agilität“ mitunter begeistert aufgegriffen. Nur nicht so ganz im Sinne des Erfinders.

Deshalb erklären wir jetzt noch mal in aller Form, was Agilität NICHT ist!

Agiles Rosinenpicken vs. Alte Welt

Agilität ist toll. Agilität ist die Möglichkeit, sich die Rosinen aus dem Kuchen zu picken und nur noch das zu tun, wozu man Lust hat. Und was sich auf der agilen Karriereleiter gut macht … hingegen wird alles, was nach schnöder Routine aussieht, Stunden trostloser Konzentration mit sich bringt und zu den wenig beachteten Tätigkeiten gehört, verworfen.

Nur: Unternehmen bestehen nicht aus Glamour. Zugegebenermaßen ist ein bisschen Glamour dabei, wenn gerade ein Projekt gut gelaufen ist, wenn der Umsatz merklich steigt oder die Öffentlichkeitsarbeit gut kommt. Aber das sind, wie bei Eisbergen, die kleineren, sichtbaren Teile. Unter der Oberfläche gibt es halt diese Routinearbeiten, den Verwaltungskram, die tausend ungeliebten Tasks wie das Abtelefonieren von Kontakten, der mitunter nervende Umgang mit Zulieferern und sogar die Überwachung von Handwerkern.

Früher war alles besser?

In grauer Vorzeit, als wir noch hierarchisch zu arbeiten gewohnt waren, war das weniger problematisch. Klar, auch da gab es immer mal Kollegen, die es schafften, sich dem Trott (und der Arbeit) weitgehend zu entziehen – aber im allgemeinen musste jeder durch die Initiationsriten im Firmenalltag, zu denen auch schon mal Kaffeekochen, Klopapierkaufen und Databases abarbeiten gehörte. Jeder kam mal dran, und sowie man ein Treppchen höher stieg, konnte man aufatmen und das ganze Paket an die Nachrückenden übergeben.

Problem: Alle sind gleich, aber manche sind ein bisschen gleicher

In der Agilen Organisation, aber aller mindestens im Agilen Team, sind wir ja nun alle gleich, selbstbestimmt und verantwortungsbewusst. In der Theorie. Praktisch klappt das nicht so ganz, denn manche Mitarbeiter verstehen Team als Kürzel für „Toll, Ein Anderer Macht‘s“. Wenn man dann darauf hinweist, dass selbstbestimmtes Arbeiten auch bedeutet, in Eigenverantwortung seinen Teil der drögen Tasks zu übernehmen, ist man schnell als „spießig“ oder „Alte Welt“ abgestempelt. So eine richtige Spaßbremse eben, die die schöne neue Methodik nicht verstehen will.

So nicht, liebe Leute – dieses Rosinenpicken ist nämlich nichts weiter als eine Masche und eigentlich nur ein Mittel, den eigenen Egoismus schonungslos durchzusetzen.

Handwerker im Büro? Jemand muss sich kümmern? Oha, dann sind die agilen Kollegen ganz agil verschwunden. Zu superwichtigen Terminen. Kaffeetrinken mit der neuen Flamme zum Beispiel.

Da ist es kein Wunder, wenn manche Geschäftsführer mit den Augen rollen, wenn das Wort „Agilität“ fällt. Wer entsprechende Erfahrungen gemacht hat, kommt dann leicht zu dem Schluss, dass Agile Methoden nur auf Arbeitsvermeidung hinauslaufen, dass die vertrauten Hierarchien eben doch effizienter funktionieren und letztlich der Chef oder der Teamleiter lieber ab und an mal mit der Peitsche knallen sollte … und sie haben ja nicht ganz unrecht.

Lösung: Die Agile Transformation kompetent begleiten

Erklären und ermahnen allein genügen da aber nicht. Damit Agilität wirklich erfolgreich umgesetzt wird, empfiehlt sich eine begleitete Agile Transformation. Hier werden Mitarbeiter und Führungskräfte auf ihre neuen Rollen und Arbeitsmethoden in der Agilen Organisation vorbereitet, können ihre Fragen stellen und auch Vorbehalte oder Bedenken äußern. Auf diese Weise wird das Modell den Bedürfnissen des jeweiligen Unternehmens und der Kapazität der Mitarbeiter angepasst.

Während der Umsetzung und in den ersten Monaten mit dem neuen Modell lassen sich auch durch Stichproben, Mitarbeiterbefragungen und Auswertungen der KPIs Schwachstellen ermitteln, wo noch nachgebessert werden muss.

So kann man das unbeliebte „Rosinenpicken“ umgehen, auch die Vertreter der „Alten Welt“ glücklich ins Boot holen und dafür sorgen, dass Agilität gelingt!