(Un-)Klarheit – Halbfertiges kommunizieren? – Agile Leadership

Alles klar. Wirklich?

Wenn ich das Reden verweigere, kann ich kaum der Sprache zum Vorwurf machen, dass niemand meine Gedanken zur Kenntnis nimmt.“

Peter Kruse

Kommunikation – nicht nur in ihren Inhalten, sondern auch in der Form der Kommunikation – ist zweifellos von besonderer Wichtigkeit im Unternehmen. Klarheit kommunizieren ist wirklich überlebenswichtig, wenn die Transformation in die Agilität erfolgreich verlaufen soll.

Dem stehen aber allzu oft verfestigte Hierarchien gegenüber, regelrechte Kommandoketten, in denen jeder nur kommuniziert, was unbedingt sein muss, und auf gar keinen Fall mehr. In einigen Fällen mag die beste Absicht dahinterstecken, etwa die Vermutung, dass man die Mitarbeiter mit komplexen Hintergrundinformationen überfordern würde. Aber häufig geht es wohl um die Kontrolle, oder mindestens die Teilkontrolle, und sei es noch so kleiner Abschnitte in einem Prozess.

Agilität als Palastrevolte?

Wenn nun die Situation gegeben ist, dass das Topmanagement nur „Verabschiedetes“ an die Mitarbeiter kommunizieren will, wie geht man damit um? Es geht ja teilweise um Kontrolle über den Prozess – der aber entzieht sich im Verlauf einer Transformation in die agile Welt zunehmend den klassischen Mechanismen. Mancher Führungskraft mag das furchterregend vorkommen. Außerdem steckt hinter dieser Haltung auch ein angelerntes Menschenbild, das den Mitarbeitern nur beschränkte Kompetenzen zugesteht. „Ich sage, wo es langgeht und die Mitarbeiter kann man ja nicht mit Halbfertigem belasten, die verstehen das ja gar nicht.“ Klar verstehen sie es nicht, wenn man nicht mit ihnen redet und nicht in den Dialog geht. Macht man sich aber die Mühe und bindet die Mitarbeiter in Prozessentwicklung und Entscheidungsfindung ein, erschließt man sich ein zusätzliches, fruchtbares Potential im eigenen Unternehmen.

Ohne Fleiß kein Preis – kommunizieren lernt man

Mit den Mitarbeitern effizient, zielführend und wertschätzend zu kommunizieren ist natürlich eine Fähigkeit, die nicht vom Himmel fällt. Man muss es lernen, und das kann man auch. Das ist natürlich anstrengend und braucht auch sehr viel Zeit. Wichtig ist, dass die gesamte Geschäftsführung mit eingebunden und voll informiert ist, damit alle anhand einer gemeinsamen Methodik und Strategie agieren.

Ist der erste Schritt gemacht, stellt sich in der Regel heraus, dass es doch besser ist, alle „Köpfe“ zum Denken einzuladen und Plattformen zu schaffen, auf denen ein moderierter Austausch möglich ist.

Klare Verhältnisse schaffen

Klare, zielführende Ansagen dienen der gesamten Organisation. Wir haben alle schon erlebt, wohin es führt, wenn sich eine kleine Gruppe um ein wichtiges Unternehmensthema kümmert, aber nichts genaues darüber bekannt ist. Wie der Psychologe Prof. Dr. Peter Kruse in den „8 Regeln für den totalen Stillstand“ im Unternehmen erklärt, entstehen in Windeseile Gerüchte, irgendwer hat irgendwas gehört und schon verselbständigen sich auch wirklich gute Ideen und gehen letztendlich zugrunde.

Außerdem lähmt ein Vorherrschen von Unklarheiten und eine florierende Gerüchteküche das Unternehmen. Man beschäftigt sich nur noch mit eigentlich nebensächlichen Interna, ein großer Teil der Energie wird dadurch gebunden und kann nicht mehr für den Kunden aufgewendet werden.

Klartext reden schafft klare Verhältnisse – ein wesentlicher Gewinn bei einer gelungenen Transformation in die Agilität.